Fanny wurde ca. im März 1999 geboren. Sie soll ihr erstes
halbes
Jahr "wild" in einem Zürcher Vorortquartier verbracht haben,
erzählte man mir im Tierheim. Dort landete sie im Dezember 99 mit
zwei Brüdern, einer davon starb kurz darauf an einer Krankheit.
Fanny und ihr verbliebener Bruder Faisal (die Namen erhielten die
Beiden im Tierheim) verbrachten ein weiteres halbes Jahr mit anderen
Katzen in dem mit grosszügigem Auslauf versehenen Gehege des
Heims. Mehrmals
interessierten sich Menschen für die beiden Katzen, aber niemand
nahm sie letztlich mit. Bis ich kam und die beiden Tiere erblickte.
Besser gesagt, ich sah einen grossen schwarzweissen Kater, der in der
Mitte des Freigeheges sass und fasziniert eine Ameise beobachtete.
Meine vorherige Katze (aus demselben Tierheim) war gestorben, ich
wollte unbedingt meine plötzlich so leere Wohnung wieder mit einem
Tier beleben. Da sass also Faisal - es war Liebe auf den ersten Blick -
der oder keiner. Allerdings, so teilte man mir mit, sei der Kater nur
zusammen mit seiner Schwester Fanny zu haben. Diese sei sehr scheu und
lasse sich kaum anfassen. Nun - ich hatte nichts gegen ein Katzen-Duo,
und war überzeugt die scheue Fanny mit der Zeit schon "auftauen"
zu können.
So kamen die Beiden im Frühling 2000 zu mir.. und für
einige Tage bei Tageslicht nicht unterm Sofa hervor. Faisal traute sich
dann
ziemlich bald doch und entwickelte sich bald einmal zu einem
Schmusetiger,
dessen Lieblingsplatz mein Bauch war. Fanny brauchte bedeutend
länger,
obwohl sie sich sichtlich nach Streicheleinheiten
sehnte. Ich fand
heraus, dass sie sich streicheln liess, wenn sie
vorher die Innenseite meiner Hand kontrollieren konnte. Ich musste ihr
also die Handfläche zeigen, dann wurde sie ruhig und liess sich
gerne
streicheln. Es dauerte etwa zwei Jahre, bis diese Angewohnheit
nachliess...
wer weiss was das Tier früher erlebt hat. Fanny ist heute noch
zurückhaltend, wir werden uns wohl nie das Sofa teilen. Sie ist
verschmust, solange sie eine Fluchtmöglichkeit sieht, sie ist nie
weit weg, sie fordert ihre Streicheleinheiten, aber eine "Schoss-Katze"
ist sie nicht, und Fremde kriegen sie kaum zu sehen.
Als im Juni 02 der kleine Hundewelpe Querry zu uns kam, wurde dieser
zuerst misstrauisch beäugt - und dann tief in's Herz geschlossen.
Fanny entwickelte eine ganz besondere Art mit dem Hund umzugehen - sie
flirtet richtiggehend mit ihm. Dann läuft sie um seine Beine und
"bewedelt" seine Schnauze und seinen Bauch. Der Hund
bleibt
ganz still stehen und geniesst... nun beginnt "Phase 2" des Spiels.
Fanny wirft sich vor dem Hund auf den Boden, wird von ihm mit Nase oder
Pfote angestupst. Dann haut sie mit den Pfoten spielerisch nach ihm.
Köstlich anzusehen... bald beginnt das Spiel wieder von vorne...
In meiner Wohnung im 2.Stock trauten sich die beiden Katzen nie raus, denn das Treppenhaus wurde vom Nachbarskater beherrscht. Ausserdem hatte ich zwei grosse Balkone wo man sich austoben konnte. Fanny entwickelte eine seltsame Technik, um Vögel zu fangen. Ich nannte das die Methode "Rollbraten". Das funktionierte so: Fanny wartete in einer Ecke des Balkons, bis ein fetter Piepmatz nahe genug aussen am Katzenschutznetz vorbeiflog. Dann sprang sie mit voller Wucht in's Netz, packte den Vogel samt Garn. Nun baumelten die Tiere im Netz, Katze innen, Vogel aussen. Fanny biss den Vogel tot und liess dann langsam los, so dass der Vogel zwischen Balkonbrüstung und Netz runterrutschte und mit geschickten Katzenpfoten darunter hervorgefischt werden konnte. Die des öfteren in der ganzen Wohnung verteilten Feder lassen vermuten, dass sie aus sehr vielen Vögeln "Rollbraten" machte.
Im April 03 zog ich mit meinem "Zoo" um, und nun haben wir einen
eigenen kleinen Garten, eine grosse Wiese gleich gegenüber und
auch keine verkehrsreiche Strasse mehr in der Gegend. Ich habe den
Katzen eine Katzentüre eingebaut, ohne ein Fenster oder eine
Türe kapputtzumachen, da dies ja eine Mietwohnung ist.
Einfach das Fenster in
Katzentürenbreite fixiert, dann die Öffnung mit dicken
Styropor-Platten ausgekleidet, das
Türchen eingebaut (s.Bilder). Wenn ich
mit dem Hund von zuhause aus spazieren ging, folgten die beiden Katzen
bald einmal. Schliesslich gingen wir regelmässig zu viert zum
nahen Waldrand. Leider seit Nov. 03 nur noch zu dritt, Faisal ist nicht
mehr da. Warum, kann man auf seiner eigenen Seite nachlesen... Ich
vermisse ihn unheimlich. Wenn ich wenigstens wüsste, was mit ihm
passiert ist, wäre es leichter. Der einzige Trost ist, dass Fanny
ihren Bruder keinen Moment zu vermissen schien. Im Gegenteil.. obwohl
die beiden immer zusammen anzutreffen waren und kaum
eine Auseinandersetzung hatten, scheint sie selbstsicherer und fast
glücklicher, seit er nicht mehr hier ist. Nach vier Monaten glaube
ich nicht mehr daran, dass Faisal zurückkehrt. Ich hätte
gerne wieder einmal eine zweite Katze. Aber ob Fanny das akzeptieren
würde? Wohl kaum.
April 04... Draussen wird's wärmer, Fanny kommt wieder mit auf die Spaziergänge. Wir wohnen in einer Hundereichen Gegend, da muss sie sich oft seitwärts in die Büsche schlagen, aber ihr helles Stimmchen verrät immer wo sie gerade ist. Wenn ich ihr zuschaue wie sie mit Querry an der selben Laterne schnuppert, bin ich manchmal nicht sicher ob sie sich nicht ein bisschen für einen Hund hält. Mal sehen, vielleicht hebt sie plötzlich auch das Bein!