Am 24.04.2002 wurde ein kleiner Hund der Rasse Malinois (kurzhaariger belgischer Schäferhund) auf einem Berghof in der Schweiz geboren, mit ihm drei Brüder und zwei Schwestern. Die Zucht aus der er stammt, heisst " Scalloway's ", sein Name sollte gemäss Zuchtfolge mit einem "Q" beginnen... eine kleine Knacknuss für seine spätere Besitzerin.
Als ich die kleinen Hunde zum erstenmal besuchte, waren ihre Augen
noch geschlossen. Kleines süsses Gekrabbel, alle so schön und
kräftig, wie sollte ich mir da bloss einmal den "richtigen", zu
mir passenden Welpen aussuchen? Ich besuchte die Kleinen mehrmals,
spielte mit ihnen, testete ihre Reaktion auf Geräusche und
unbekannte Spielzeuge. Ein
Rüde sollte es sein, das beschränkte die Auswahl auf vier.
Die Züchterin half auch bei der Entscheidung, erzählte mir
über die Charakter und das Verhalten der kleinen Hunde. Ausserdem
nahm ich jemanden mit, der schon einen damals neunjährigen
Rüden aus der selben Zucht besitzt. Ein Welpe schien uns etwas
zurückhaltender, da waren's noch drei. Der anfängliche
Vavorit, der dunkelste und kräftigste der Rüden, schien nach
und nach vor allem der kräftigste und gierigste an der
Futterschüssel zu werden, mit etwas negativen Auswirkungen auf
Figur und - wie uns schien - auch Temperament. Da waren's also noch
zwei.
Am Tag der Entscheidung hatte ich einen kleinen gelben
Stoff-Quietschelefanten mitgebracht. Und hatte schliesslich eine Idee:
Ich warf das Stofftier zwischen die beiden Welpen, es gab ein kurzes
Gerangel, und einer war der "Sieger". Und damit mein Hund! Bestimmt
sind Querry's fünf Geschwister auch wunderbare Hunde geworden,
aber meine Entscheidung habe ich noch keine einzige
Sekunde bereut.
Als Querry 8,5 Wochen alt war, holte ich ihn ab. Die Heimfahrt
verlief problemlos, zumindest für den Welpen. Die erste
Hälfte der Fahrt hopste er unermüdlich auf meinem Schoss
herum, versuchte meine Ohren anzuknabbern etc. Irgendwann schlief er
dann ein, und
die letzten Kilometer der Fahrt verbrachte er sogar schon
ohne zu murren in
seiner Box.
Die folgenden Wochen vergingen, zumindest im Rückblick, wie im Flug. Natürlich waren da erst einmal drei, vier Nächte mit wenig Schlaf. Aber der Welpe schien nichts zu vermissen, er jammerte kein einziges Mal. Wenn er raus musste, fing er an ruhelos hin- und herzulaufen, spätestens dann war ich wach. Etwa vier "Pfützen" und zwei "Häufchen" landeten am falschen Ort, zumeist auf dem Balkon, den der Welpe wohl wegen des Grünzeugs nicht ganz von einer Wiese unterscheiden konnte. Nichts ging kapputt, ich liess den kleinen Kerl die ersten Tage einfach nicht aus den Augen. Schnappte er sich etwas "Falsches", lockte ich ihn zu mir und tauschte das Ding gegen ein Leckerchen oder sein Spielzeug (ein Knopf aus Schnüren) ein. Wohl deshalb bringt er heute noch (mit fast zwei Jahren) Schuhe, Kissen und andere Gegenstände, wenn er sich zu lange unbeachtet fühlt. Es genügt dann, wenn man ihm freundlich sagt: "Bist ein lieber Hund, aber jetzt ist's genug."
Querry lernte meine Katzen kennen, das verlief problemlos. Ich liess
die drei einfach machen.. als einzige Vorsorge hatte ich die Krallen
des Katers geschnitten, ich
hatte doch etwas Angst, dass mein
7.5kg-Riesen-Kater das damals 1kg leichtere Welpchen damit verletzen
könnte. Eine unnötige Vorsorge wie sich herausstellte, die
Krallen wurden nie eingesetzt.
Querry lernte auch Basco kennen, den weiter oben schon einmal
erwähnten Rüden aus der selben Zucht. Ich denke man kann die
beiden als "beste Freunde" bezeichnen, auch wenn es heute schon mal zu
Machtkämpfen kommt, so spielen die beiden heute zwei- und
elfjährigen Rüden oft wie zwei Welpen miteinander. Querry hat
von
seinem "Grossonkel" sicher auch viel gelernt.
Die Prägungszeit wollte ich natürlich möglichst
sinnvoll nutzen. Ich reiste mit dem Welpen durch die halbe Schweiz,
zeigte ihm Flughafen, Hauptbahnhof, Baustellen, fuhr mit ihm Bahn, Bus
und Schiff. Er lernte wie sich Schnee anfühlt und schwamm mit gut
neun Wochen das erstemal im Zürichsee.
Seine Neugier war
grenzenlos, Angst schien er nicht zu kennen.
Nur etwas wurde mit der Zeit zur Plage: Das Hochspringen. Querry
hechtete aus vollem Spurt alles an was Beine hatte. Und weil mir eine
gute Sozialisierung mit Mensch und Tier wichtig war, liess ich
ihn in hundereichen Gegenden natürlich von der Leine. Da waren
auch hundefreundliche Menschen, denen es egal war wenn ihnen mein
süsses Energiebündel mit Anlauf in die Magengrube flog.
"Macht nichts, ist meine Hundekleidung..." Es dauerte, bis die
Hüpferei nachliess. Ich durchsuchte meine Berge von
Hundeerziehungsbücher nach dem Thema, suchte im Internet
und versuchte einiges. Querry kassierte derweil von weniger
begeisterten Mitbürgern auch Tritte, Schläge und Geschrei.
Nichts hielt ihn ab, er lief dann im Gegenteil zu Hochtouren auf, kam
fast in eine Art Hochspringrausch. Und da dämmerte es mir
schliesslich: Für so einen
Hüpf-Fanatiker ist JEDE
Reaktion eine Bestätigung. Auch Gebrüll und Fusstritte. Das
einzige was ihn stoppte war KEINE Reaktion, und vielleicht auch einfach
die Zeit, das grösser und älter werden.
Die Zeit verging, aus "süüüüüüsss"
wurde "schöööön". MEIN Hund - der in meinen Armen
Streicheleinheiten geniesst bis er tief und fest einschläft, jeden
Morgen zum
Aufwachen meine Füsse "wäscht" und dabei keinen cm
auslässt, die Katze über alles liebt, Kindern
unermüdlich Schuhe bringt und wieder versorgt, bis es den Kindern
zu dumm wird, auf meine Anweisung Blumensträusse und
andere
Dinge "übergibt", Cheminéeholz trägt, mit mir auf dem
Surfbrett balanciert, schwimmt und im Schlauchboot sitzt etc. etc.
Sicher.. können andere Hunde auch. Aber dieser ist meiner, und
darum für mich der Schönste und Beste.
Ich kann Menschen nicht so recht verstehen, die sich "fertige" Hunde
kaufen, die aus dem "Flegelalter" raus oder
schon viel älter sind. Ich
finde man verpasst das Schönste am "Abenteuer Hund", und selbst
wenn jemand einen Hund als Sportgerät betrachtet, bringt es sicher
Vorteile einen Hund selbst mitgeprägt zu haben. Wenn ich Querry so
beobachte, muss ich manchmal lachen, wenn ich eine "Macke" oder
Vorliebe an ihm erkenne, von der ich genau weiss woher sie kommt...
denn irgendwie ist er manchmal wie ein Spiegel, der
einem vorgehalten wird.
Mit einem Hund aus dem Tierheim oder einer ähnlichen Situation
ist das natürlich eine andere Sache. Ich finde es schön, wenn
so ein Tier eine weitere Chance bekommt. Meine Katzen habe und hatte
ich alle aus dem Tierheim oder sie wurden irgendwo abgegeben. Ich
musste mit manch eingefleischter Unart klarkommen, aber es machte auch
Freude zu sehen, wie aus einem völlig verschreckten panischen Tier
eine
selbstsichere Katze mit vollem Vertrauen in "ihren" Menschen wurde.
Dieses Thema meine ich nicht, sondern das der leider immer noch weit
verbreiteten
"Sportgerätehalter", die ihren Hund wegwerfen sobald
sich ein Problemchen auf dem Weg zum Weltmeister zeigt.



